Grosse Trauer im Luzerner Hinterland

Die Jubiläums-Extrafahrt der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Reiden wurde durch ein furchtbares Eisenbahnunglück zum Drama. Die Gemeinde Pfaffnau beklagt 10 Tote.

Der Hergang des Unglücks
Am Montag, ca. 14 Uhr stiess der von Brig kommende Eilgüterzug auf der eingleisigen Strecke zwischen Saint-Leonard und Granges mit dem von Sitten kommenden Extrazug frontal zusammen. Im Extrazug befanden sich 258 Mitglieder der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Reiden auf ihrem Ausflug anlässlich der Feier des 75jährigen Bestehens. In der Gesellschaft befanden sich unter anderem zahlreiche Landwirte und ihre Ehefrauen aus den Hinterländer Gemeinden Pfaffnau, St. Urban, Roggliswil, Langnau b. Reiden, Wikon und Reidermoos. Die Reisenden aus Pfaffnau befanden sich in den ersten zwei Wagen. Über die Wucht der mit ca. 80 – 100 km/Std. in voller Fahrt zusammengetroffenen Zugskompositionen sprechen die Bilder aufs grauenvollste. Beide Züge wurden seitlich aufgeschlitzt, die Lokomotiven total zertrümmert und der Sonderzug kam auf die Seiten zu liegen (…).

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Sofort nach der Katastrophe wurde Grossalarm ausgelöst. Sämtliche verfügbaren Polizisten und die Mehrzahl der Krankenwagen des Kantons Wallis wurden aufgeboten. Die erste Hilfe leisteten mehrere Ärzte und Krankenschwestern. Aus Trümmern barg man 12 Tote, wovon 10 aus der Gemeinde Pfaffnau und die beiden Lokomotivführer, 103 Personen wurden verletzt. Davon mussten 27 teilweise schwerverletzt in Spitalpflege gebracht werden. Die sich im Spital befindlichen Patienten stammen zum grössten Teil ebenfalls aus dem schwergeprüften Pfaffnau. Ihnen wünschen wir baldige Genesung. (…)

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Stumm Trauer herrschte am Dienstag in Pfaffnau, wo die Gemeindebevölkerung der zehn Opfer gedachte, die das schwere Eisenbahnunglück forderte. Kurz nach Mittag trafen in Pfaffnau die Vertreter der SBB ein. (…) Sie überbrachten anlässlich einer ausserordentlichen Gemeinderatsversammlung in Anwesenheit der Angehörigen der Opfer das offizielle Beileid der Schweizerischen Bundesbahnen. Zu diesem Zeitpunkt trafen auch aus der ganzen Schweiz Beileidstelegramme ein, unter anderem von den luzernischen Parlamentariern in Bern. (…) Der Bundesrat hat der vom Eisenbahnunglück bei Sitten so schwer betroffenen Gemeinde Pfaffnau sowie der Luzerner Regierung in einem Schreiben sein Beileid ausgesprochen. Das Beileidsschreiben des Bundesrates an die Gemeindebehörden in Pfaffnau hat folgenden Wortlaut: „Die Nachricht vom schweren Eisenbahnunglück, das sich am 24. Juni bei St. Leonard ereignete und den Tod von zehn Mitbürgern ihrer Gemeinde zur Folge hatte, ist im ganzen Lande mit Erschütterung zur Kenntnis genommen worden. Der Bundesrat ist tief bewegt über das grosse Leid, das unverhofft über so viele Familien ihrer Gemeinde hereingebrochen ist. Er bitte Sie, den schwer geprüften Hinterlassenen sein auftrichtiges Beileid zum Ausdruck zu bringen, und versichert Sie und die trauernden Familien seines tiefen Mitgefühls. (…)

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Die Gemeinde Pfaffnau hat nun bestimmt, dass am kommenden Freitag um 9 Uhr, die Beisetzungsfeierlichkeiten für die zehn Opfer in der katholischen Pfarrkirche zu Pfaffnau stattfinden. Der Bischof von Basel, Dr. Anton von Hänggi, der noch im Verlaufe des Dienstags eingetroffen ist, wird das Requiem mitzelebrieren. Die Grabrede hält der Luzerner Regierungsrat Adolf Käch. (…)

Die zehn Todesopfer des Unglücks sind am Dienstagnachmittag um 15.19 Uhr auf dem Schienenweg in Olten eingetroffen, wo sie im Spital aufgebahrt werden. Von dort werden sie am Donnerstagnachmittag nach der Pfarrkirche Pfaffnau übergeführt, wo an diesem Abend um 20 Uhr eine erste Gedenkandacht stattfindet. (…)

Im Jahr 2008, also 40 Jahre nach dem tragischen Unglück blickte der WB auf zwei Seiten nochmals über das Geschehen. Nachzulesen ist hier und hier.

 

 

 

 

 

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