Aus den Luzerner Nachrichten vom Freitag, 5. Oktober, 1928:

Letzten Samstag kam Pilot Nyffenegger mit einem Balair-Fokker ins Wiggertal geflogen, ob den Ortschaften kühne Schleifen ziehend und landete elegant auf dem „Flugplatz“ im Stermel zwischen Reiden und Dagmersellen. Schon warteten Passagiere, die sich einmal die liebe Heimat von oben beschauen wollen. Wir nehmen in der geräumigen, fest ausstaffierten Kabine auf einem der fünf „Klubs“ Platz und harren der Dinge, die da kommen werden. Sausend knarrt der Propeller in der milden Herbstluft – noch mehr Gas und langsam rollte das Flugzeug auf dem glatten Wiesenplane. Ein sanftes Sichheben und wir fliegen.

Fokker CH-154

Das Bild zeigt die Fokker F. Vlla CH-154 der Balair auf dem Platz im Stermel.

Losgelöst von Erdenschwere gleiten wir über das schöne Wiggertal dahin, ein wohliges Gefühl der Erdenertrücktheit nimmt unsere Sinne gefangen und die Augen voll Staunen ob dem wunderbaren Schauen blicken wir hernieder auf die stattlichen Dörfer, die wohlbestellten Felder und die grünen Wälder. Auf der Höhe von Reiden gleitet die Maschine in eine weite Kurve, um uns so recht das Dorfbild zur Darstellung zu bringen. Höher und höher schraubt sich der Propeller. Im Süden grüsst die Alpenkette. Von mildem Abendsonnenschein umflossen, zeigt sich links der Glärnisch und in schattiger Silhouette winken all die Berggipfel der Zentralalpen. Im Norden grüsst über die Höhen des Jura hinweg der dunkle Schwarzwald und links davon ist sogar der Feldberg sichtbar. (…)

Wir schweben über die Marienburg und erhalten einen prächtigen Einblick in das schöne Gebiet der Zofinger Waldungen. Auf dem Heiternplatz spielen kleine Menschlein und wie dem Riesen im bekannten Märchen stellt sich das Stadtbild von Zofingen dar. Um die Kirche im Mittelpunkt ziehen sich die Häuserreihen der Altstadt und rings herum leuchten die frischroten Dächer der Industriequartiere. (…) Ob dem idyllischen Langnau kreisen wir und langsam, kaum merkbar; nähern wir uns dem Ausgangspunkt. Noch eine letzte Schleife über Dagmersellen und schon wir wieder auf dem Boden und rollen zum Startplatz. Mit hoher Befriedigung ob dem schönen Erlebten sagen wir dem Pilot Adieu und nicht lange geht es, und schon wieder fliegt er mit einer andern Gesellschaft. Ja, so ein Flug über die heimische Gegend wird zum eigentlichen Erleben und lange noch wird er in schönster Erinnerung bleiben. (…)

 

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