Für den Bau einer Strasse über den Napf – Eindrucksvolle Volksversammlung in Willisau (Text in leicht gekürzter Version)

Willisau erlebte am vergangenen Sonntag eine Volksversammlung, wie sie die politisch bewegte Geschichte der hinterländischen Metropole nur selten in diesem Ausmass verzeichnet. Gegen 700 Mann waren aufmarschiert. Mit den Behördenmitgliedern war viel Volk aus allen Gemeinden diesseits des Napfs angerückt und zu ihren gestellten sich starke Vertretungen aus den bernischen Gemeinden jenseits des Napf. (…)

Der zielbewusste Präsident des Verkehrsvereins Willisau, Herr Jean Müller, Kaufmann, der alle notwendigen Vorbereitungen zur Tagung mit Eifer und Hingabe getroffen, entbot den Volksscharen begeisterten Willkommgruss. Insbesondere herzlich wurde willkommen geheissen der Referent, Herr Oberst im Gst. Waldis, der aus militärischem Verantwortungsbewusstsein heraus dem Napfgebiet im allgemeinen und den dortigen Verkehrsmöglichkeiten im besonders seit längerer Zeit regste Aufmerksamkeit geschenkt hat. Gruss und Willkomm wurde namentlich zuteil den Herren Schultheiss Dr. Winiker und Nationalrat Isenschmid, dann den Vertretungen der militärischen Vereine und den Abordnungen aus dem angrenzenden Bernbiet. Die Frage des Baues einer Strasse über den Napf, die in der Grenzbesetzungszeit ernstlich erwogen wurde, ist im Zeitpunkt des Ausbaues der Landesverteidigung bei den zuständigen Instanzen erneut aktuell geworden. Mehr denn je gilt es, alles vorzukehren, was im Bereich des Möglichken und Tragbaren liegt, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Der Geist der Wehrbereitschaft fordert uns in die Schranken und gebietet uns, nach ernstem Rat zu segensreicher Tat zu schreiten.

Dem Frieden gedient
Herr Hauptmann Pfäffli, Hergiswil, den die Versammlung zum Tagespräsidenten erkoren, beleuchtete in seinem einleitendem Votum wichtige militärische Gesichtspunkte, die bei der Prüfung der Frage des Baues einer Strasse über den Napf in die Waagschale fallen. Der Krieg in Abessinien, die Kämpfe in Spanien und Ostasien, die gewaltige Aufrüstung allerorts und die Abwehrmassnahmen in der Schweiz, nicht zuletzt die Vorkehrungen für den Luftschutz, haben unser Volk militärisch denken gelernt. In vermehrter Weise beschäftigt es sich mit den Pflichten gegenüber Armee und Landesverteidigung. Blicken wir Jahrhunderte zurück: für Kriegszwecke wurden Strassen gebaut und dem Frieden haben sie gedient. Der Bau einer Napfstrasse erweist sich immer mehr als militärische Notwendigkeit; er ist aber auch volkswirtschaftlich von grosser Bedeutung. Es gilt Arbeit zu schaffen, gilt abgeschlossene Gebiete dem Verkehr zu erschliessen, ihre Bewohner einander näher zu bringen und Landwirtschaft, Gewerbe und Touristik in unserem Landesteil wirksam zu fördern. Von Beifall begrüsst, sprach nun während mehr als einer Stunde unter gespannter Aufmerksamkeit Herr Oberst i. Gst. Waldis aus Luzern über: Die militärische Bedeutung einer Napfstrasse. (…)

Das ganze Napfgebiet wird von einer Ringbahn umfahren, die sich aufteilt in die Linien Langnau-Wolhusen, Wolhusen-Huttwil, Huttwil-Sumiswald und Burgdorf-Langnau. Im Kriegsfall würde der Napf für einen aus Norden oder Westen vorstossenden Gegner ein starkes natürliches Hindernis bilden, das mit wenigen Mitteln rasch bedeutsam verstärkt werden kann. (…) Frei von Lokalinteressen muss als grosses Ziel eine Süd-Nordverbindung im Auge behalten werden. Wo genau die Strasse durchgeführt werden soll, ist für die Tagung von heute gleichgültig. Entscheidend ist, dass gebaut wird; wichtig sodann, dass auf möglichst vielseitige Anschlussmöglichkeiten Bedacht genommen wird. Nach der Auffassung des Referenten, die er aber nicht als abgeschlossen betrachtet, kommt für die Fortsetzung der Strasse von der Stächelegg in nördlicher Richtung in erster Linie eine Strasse nach Hergiswil-Willisau in Frage. Mit wenigen Verbauungen und einem durchschnittlichen Gefälle von bloss 10 Prozent kann das Verbindungsstück bis zur Wiggernhütte erstellt werden. Dieses wäre in relativ geringem Masse fliegerempflindlich und würde in Willisau den Anschluss an gute Unterkunftsmöglichkeiten und an eine leistungsfähige Bahnstation vermitteln. Dieses Projekt schliesst nicht aus, dass mit Luthernbad eine Verbindung hergestellt wird. Der Wert dieser Strasse für den allgemeinen Verkehr ergibt sich aus dem Umstand, dass auf einer Wegstrecke von 25 Kilometer von Willisau aus Trubschachen erreicht werden kann. (…)

Die Diskussion
In der Diskussion sprach als erster Herr Kulturingenieur Kaufmann, Luzern, darauf verweisend, was der Kanton Luzern auf dem Gebiete des ländlichen Strassenbaues schon geleistet hat. In relativ kurzer Zeit wurden im Luzerner Berggebiet mit einem Kostenaufwand von 1,8 Millionen Franken an die 60 Kilometer Güterstrasse erstellt. Eine Strasse über den Napf ist unter landwirtschaftlichen Gesichtspunkten sehr zu begrüssen, weil an sie der Anschluss der Nebenstrassen leicht möglich ist. (…)

Herr Koroporationspräsident Jost, Willisau, stellte neben den militärischen die allgemein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte, die für den Strassenbau sprechen, in den Vordergrund.

Herr Gemeindepräsident Dubach, Luthern, wies hin auf frühere Projekte, welche den Anschluss nach dem Lutherntal suchten. Mit Geschick und Eifer wendet er sich gegen die Isolierung der Gemeinde Luthern und gibt der Überzeugung Ausdruck, dass eine Strasse über das Niederenzi leicht verwirklicht werden könnte.

Herr Gemeindepräsident Kunz, Hergiswil, unterstrich die militärischen Gesichtspunkte und freut sich, dass Hergiswil ausnahmsweise einmal begünstigt werden soll. Freilich, grosse Beiträge aus der schwerbelasteten Gemeinde sind nicht möglich. Eine Strasse von der Waldegg her über Unterstapf nach Hergiswil, diese würde vor allem im Interesse der ansässigen Bevölkerung liegen.

Nach Äusserungen von Herrn Stadtrat Korner, Willisau, der sich um eine Zusammenarbeit der bernischen und luzernischen Interessen bemüht, sprach Herr Grossrat Kreyenbühl, Menznau. Er betonte lebhaft die militärischen Belange und setzte sich für den Strassenbau ein, um ungelernten Leuten Arbeit verschaffen zu können.  (…)

Die verabschiedete Resolution
Herr Nationalrat Isenschmid stattete nach allen Seiten gebührenden Dank ab und bekundete lebhaftes Verständnis für die Bestrebungen, die militärisch und volkswirtschaftlich von erheblicher Tragweite sind. Er hofft, dass Geist und Elan anhalten, die Schwierigkeiten überwunden und das Projekt zu gutem Ende geführt werde. Mit begeisternder Einhelligkeit fasste die Versammlung folgende Resolution:

  1. Der Bau einer Hauptstrasse erweist sich als militärische Notwendigkeit und ist vom Standpunkt der Landesverteidigung wie der Volkswirtschaft aus zu begrüssen.
  2. Die von gegen 700 Personen besuchte Versammlung beauftragt das Initiativkomitee mit der Bestellung eines Arbeitsausschusses, welchem Vertreter der Gemeinden Willisaustadt, Willisauland, Hergiswil, Luthern, Menznau und der militärischen Vereine angehören.
  3. Der Arbeitsausschuss soll bei den eidgenössischen und kantonalen Behörden die notwendigen Schritte für die Ausarbeitung eines generellen Projektes und für das Studium der Subventionsfrage einleiten.
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