Raubmord in Dagmersellen. Am Samstag in später Abendstunde ist in Dagmersellen ein schweres Verbrechen aufgedeckt worden: Der 79-jährige Uhrmacher Anton Kronenberg wurde in seinem Uhrenwaren- und Bijouterieladen ermordet aufgefunden!

Am Mittwochabend war Anton Kronenberg zum letzten Mal im Dorfe gesehen worden, wo er in einer Wirtschaft eine Erfrischung eingenommen hatte. Da er allein lebte und als Sonderling bekannt war, fiel seine Abwesenheit am Donnerstag und Freitag nicht weiter auf. Erst am Samstag abends, als die erwartete Heimkehrmit einem der letzten Züge nicht erfolgte, wurde der Ortspolizist von den Hausbewohnern benachrichtigt. Kurz vor 10 Uhr begab sich dieser in das Haus, um sich gewaltsam Zugang in die Werkstatt und in den Laden zu verschaffen. Zum allgemeinen Schrecken wurde im hintern Teil des Ladens der entseelte Körper des Anton Kronenberg entdeckt auf dem Rücken liegend. Der Mund war mit einem Handtuche fest zugebunden. Ueber der linken Schläfe wies die Leiche eine schwere Wunde auf. Neben der Leiche lagen ein Dengelhammer und eine Velopumpe, beide mit Blut bespritzt. Die nähere Untersuchung ergab, dass es sich bei der tödlichen Verletzung um die Folgen eines wuchtigen Hammerschlages handeln muss, dem offenbar ein Kampf vorangegangen war. Alle Begleitumstände lassen darauf schliessen, dass die Täter – ohne Zweifel handelt es sich um mehrere – es auf einen Raubmord abgesehen und diesen auch ausgeführt haben. Da Kronenberg im Verkaufsmagazin eine schlechte Ordnung hielt, wird es schwer sein, den Umfang des Diebstahls an Wertgegenständen festzustellen. Auch war Ant. Kronenberg sehr vermöglich, sodass angenommen wird, es seien Barschaften und Wertschriften in grösserem Umfang abhanden gekommen.

Von Seite der zuständigen Behörde wurde sofort getan, was möglich war. Das Statthalteramt Willisau war alsbald zur Stelle. Mit klarer Sachkenntnis und ruhiger Zielbewusstheit nahm Herr Amtstatthalter Dr. Hecht die Untersuchung auf. Im Laufe der Nacht traf auch das kantonale Polizeikommando am Tatorte ein. Alle notwendigen Feststellungen wurden gemacht und mehrere Detektive begannen mit der Fahndung nach den Tätern. 5 verdächtige Personen, meist junge Leute, befinden sich bereits in Haft. Es ist allerdings zu sagen, dass die Untersuchung sehr erschwirt wird durch den Umstand, dass von der grausigen Tat bis zu ihrer Entdeckung 3 Tage verstrichen sein können.

Person und Lebensweise des Ermordeten. Der greise Herr Kronenberg, der ein ganz origineller Kauz war, wohnte im Parterre und im ersten Stock eines Hauses im Dorfe Dagmersellen, während der dritte Stock an eine Familie vermietet war. Seit dem vor etwa 3 Jahren erfolgten tode seiner Schwester Elise, welche ihm den Haushalt besorgt hatte, lebte er als halberblindeter Mann allein. Er war der Rohkost zugetan. Während der letzten Jahre hat er in seinem Hause weder etwas gekocht, noch im Winter geheizt. Wenn er ausnahmsweise etwas Warmes zu sich nehmen wollte, tat er das in einer Wirtschaft des Dorfes; meistens begnügte er sich in diesem Falle mit einer Suppe. Misstrauisch gegen jedermann, hielt er seine Wohnung gegenüber Dritten strenge abgeschlossen. Abends kam er meist spät nach Hause, in der Regel nach 12 Uhr. Er soll jeweilen planlos umherspaziert sein, so dass man befürchtete, es könnte ihm einmal ein Unglück zustossen.

Schon im Laufe des Jahres 1931 sind bei ihm Einbrüche und Ueberfälle verübt worden. Das erste Mal im Januar und dann wieder im Juni. Bei dieser Gelegenheit sind Geldbeiträge, Uhren und andere Sachen abhanden gekommen. Die damals energisch geleitete Untersuchung erbrachte ein Geständnis, wenn auch erst nach langer Dauer.

Wer einen Blick in Laden und Werkstatt wirft, sieht, dass man im Hause eines aussergewöhnlichen Sonderlings weilt. Das allgemeinde Charakteristikum ist eine derartige Unordnung, wie sie wohl mit grösstem Fleisse nicht an einem zweiten Orte nur ähnlich hergerichtet werden könnte. Uhren, Wecker, Bestandteile aller Art. Ketten, Bijouteriesachen, Stöcke, Schlüssel, Schachteln. Körbe in wirrem Durcheinander, dann Zeitungen, Briefsachen und anderes mehr, zum Teil aus Zeiten, die gegen 20 Jahre zurückliegen, verstaubt und fahl, alles drunter und drüber. Wohlverstanden: diese Unordnung stammt nicht etwa von den ruchlosen Tätern, sondern war bei Herr Kronenberg üblich und bekannt. Aehnlich sieht es auch in den übrigen im ersten Stockwerk gelegenen Räumlichkeiten aus.

Herr Kronenberg, der ein armseliges Leben führte, war ein reicher Mann. Im Steuerregister ist er mit 115000 Franken verzeichnet. Doch soll sein Besitztum, das in der Hauptsache in Häusern und Wäldern angelegt ist, bedeutend höher sein. In der Stube befindet sich ein Broncebildnis des Ermordeten  und eine ungefähr 1,5 Meter hohe Gipsfigur die Königin Berta mit Spinnrad darstellend, geschaffen von der Künstlerhand des verstorbenen Paul Amlehn in Sursee. Kronenberg hatte sie zum Zwecke einer testamentarischen Stiftung für einen Dorfbrunnen anfertigen lassen. Auch sein Wohnhaus hatte er der Gemeinde auf sein Ableben hin versprochen und sozusagen sein gesamtes Vermögen testamentarisch wohltätigen Institutionen vermacht.

Das Entsetzen über die schauderhafte Tat und das Mitleid mit dem Ermordeten ist gross und allgemein. Möge es gelingen, die Täter zu fassen und sie dem strafenden Richterarm zu überantworten zur Sühne für die Mordtat und zur Warnung an alle, welche auf verbrecherischen Wegen schreiten.