Willisau. Auch unserer Kilbi vom letzten Sonntag war prächtiges Herbstwetter beschieden. Die Drehstände hatten sowohl nach dem Gottesdienst am Vormittag wie am Nachmittag regen Zuspruch. „Hezue, dozue! Die letzt die best! Zäh mol umene Batze!“ waren die Werbrufe der Nummernverkäufer, und an den Drehscheiben schauten sehnende Augen auf den Zeiger, ob er ihnen nicht eine Gabe zuführe. „E Teil gwünnt öppis, e Teil nüd! Das ist bei allem so. Das Glück kann unmöglich allen zufliessen. Die Nichtgewinner dürfen sich aber trösten. Nach alter Vätersitte winkte ihnen zu Hause noch etwas von der „Chüchlete“, die trotz der Kriegszeit nicht aus der Mode gekommen war. Am meisten wurde am Sonntagund am Kilbimarkt die übliche Karussel- und Tanzmusik vermisst. Man mochte stehen und gehen wo man wollte: es fehlte etwas. Man fühlte heraus, dass Musik zur Kilbi gehört, wie das Salz zur Suppe. Vielleicht war die gestrenge landesverächtliche Weisung beim Gefühle entsprungen, dass nicht jeder „Schönen“ ein Tänzer zugefallen wäre, weil letztere an der Grenze treue Wache halten. Man weiss nicht!

Wer anonyme Briefe schreibt – und wäre sie selbst harmloser Art -, solche veranlasst und sich solcher bedient, der ist nicht nur ein verächtlicher Feigling, sondern stellt sich selbst ein höchst verdächtiges Zeugnis aus. Im Grunde genommen isst jeder annonyme Briefschreiber ein Betrüger und moralischer Falschmünzer, in der Regel auch Heuchler, und sehr oft direkt verbrecherisch veranlagt. Das weibliche Geschlecht geniesst hier durchaus keinen Vorrang und verdient auch keine mildere Beurteilung.