…und eine kleine Geschichte der Badi Willisau von 1919 bis 1950.
 

von Monika Wüest

Im Juni 1950 gingen die Emotionen in Willisau hoch. Der Grund: Die Korporation, die Eigentümerin der Badi, wollte diese am Donnerstag, Samstag und Sonntag und jeden Abend von 17.30 Uhr als Gemeinschaftsbetrieb führen. Bis anhin war strikte geregelt, wann „Damen und Mädchen“ und wann „Herren und Knaben“ die Badi benutzen durften. Die Aufhebung dieser getrennten Badezeiten löste in konservativen und vor allem kirchlichen Kreisen regelrechtes Entsetzen aus. Sie sahen die Würde der Frauen und die Sittlichkeit der Jugend ernsthaft gefährdet.

Doch die Gemeindeversammlung von Willisau-Stadt vom 21. Juni 1950 entschloss nach einer hitzigen Debatte mit 181 gegen 134 Stimmen, das Gemeinschaftsbad einzuführen. Der WB, der sich als damalige konservative Zeitung auf die Seite der Gegner schlug, veröffentlichte einige Tage später einen äusserst polemischen Versammlungsbericht. Dieser kann hier als PDF (550 Kb) heruntergeladen werden.

Einige Tage später liessen die Pfarrer aus der Region sowie der Rektor der Kanti beim Willisauer Boten ein Flugblatt drucken, mit dem sie die Bevölkerung dazu aufriefen, gegen das Gemeinschaftsbad zu kämpfen:

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Erste Badi war in der Eimatt

Seit wann gibt es in Willisau eigentlich eine Badi? Ich habe die alten Ausgaben des Willisauer Boten durchgesehen und Folgendes gefunden:

Am heutigen Standort in der Hasenburg baute die Korporation 1922 die erste Badi. Zuvor gab es bereits drei Jahre lang eine Badi in der Eimatt, dort eingerichtet vom Verkehrsverein.

Aus dem WB vom 14. Juni 1919:

badi-wb - 14-juni-1919

Aus dem WB vom 5. Juni 1920:

badi-wb - 5-juni-1920

1922 eröffnete dann die Korporation die Badi Hasenburg am heutigen Standort. Aus dem WB vom 2. Juni 1922:

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Ende Juni 1947 musste die Badi wegen Hygieneproblemen geschlossen werden. Im WB vom 28. Juni hiess es:

Den Benützern der Badanstalt wird hiermit zur Kenntnis gebracht, dass diese bis auf weiteres nicht mehr geöffnet wird. Infolge der immer stärkeren Verunreinigungen des Rotbachwassers und nach Kenntnisnahme vom bezüglichen Bericht der Gesundheitsbehörde, kann die Korporations-Verwaltung die Verwendung desselben als Badewasser nicht mehr verantworten. Wegen der Undichtigkeit des Wasserbassins kann gegenwärtig die Verwendung von Grundwasser nicht in Frage kommen.

Diese unerfreulichen Zustände bildeten schon längere Zeit Gegenstand von Beratungen der Korporations-Verwaltung, die dazu führten, einen anerkannten Fachmann mit dem Studium der ganzen Frage und der Erstellung eines für Willisau zweckmässigen Projektes zu beauftragen. Sobald die nötigen Unterlagen vorhanden sind, sollen diese mit weitern interessierten Kreisen besprochen werden. Es wird sich dann zeigen, ob es möglich sein wird, zum Wohl der Bevölkerung, insbesondere dem der lieben Jugend, ein Werk zu schaffen, für das die kommenden Generationen der jetzigen danken werden. Die Korporationsverwaltung.

Dieses „zweckmässige Projekt“ gab in den folgenden zwei Jahren einiges zu reden. Offenbar konnten sich die Korporations- und die Einwohnergemeindeversammlung lange nicht auf eine Variante einigen. Im Juni 1949 wurde an der Gemeindeversammlung Willisau-Stadt endgültig entschieden, welches Projekt umgesetzt wird. Aus dem WB vom 17. Juni:

wb-17-juni-1949

Im Juni 1950 wurde die neue Badi dann endlich eröffnet. Trotz des Flugblatts der Hinterländer Pfarrer mit der neuen Badeordnung. Diese erlaubte am Donnerstag, Samstag und Sonntag das gemeinsame Baden – oder das „Familienbad“, wie es im damaligen Inserat im WB etwas unverfänglicher genannt wurde:

wb-juni-1950

Hat jemand alte Bilder der Badi Willisau, die wir hier veröffentlichen könnten? Oder weitere Unterlagen über die Geschichte der Badi? Schicken Sie mir diese an monika.wueest@willisauerbote.ch oder per Post an Willisauer Bote, Monika Wüest, Am Viehmarkt 1, 6130 Willisau.