Männerriege Altbüron, 1977

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Eine Aufnahme der Männerriege Altbüron aus dem Jahre 1977. Das Bild wurde zur Verfügung gestellt von Alfred Koffel, Altbüron.

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Aus dem WB vom 29. Juli 1963

Mit der Jugend in den Ferien

Blauring Schötz in Jaun

Liebe zu Hause Gebliebenen

Sicher interessiert Euch der „innere Aufbau“ unseres Lagers. Die Personen, die damit zu tun haben, sind wohl bekannt: Generalstab, Küchenmannschaft, Führerinnenstab (tönt ähnlich wie im Militär, für uns Unterabteilung FHD). Sehr geprägt ist unser Lager von den Punkten: blau für Ruhe, für gute Ordnung gelb, ausserordentliche Taten werden mit rot belohnt. Diese eroberten Punkte werden an den Wimpel geheftet. Bisweilen werden Wettkämpfe um die begehrten Ehrenzeichen ausgetragen. Am schwierigsten zu erwerben sind die Spezial. Dazu braucht es Köpfchen, denn alle üblichen Aufgaben im Haus sind unter die verschiedenen Gruppen aufgeteilt. Strafpunkte gibt es bei uns nicht, ob es sie auch geben sollte? In einer Schar mit unternehmungslustigen Mädchen läuft allerhand. Aber nach einem dunklen Tag versteht unser Präses ausgezeichnet Schwamm darüber zu machen. Das lässt auch uns vergessen, wieder fröhlich sein und mottogemäss die Spatzen wieder pfeifen zu lassen. Das Nachhaltigste ist wohl, jedes hütet sich, noch einmal ein Wässerlein zu trüben. Mag sein, dass wir als gemachte Engel heimkommen!?

Ob es uns gefällt? Kommentar überflüssig! Wie wir die Tage verbracht haben? Am Dienstag wanderten wir auf Anraten unseres Hausarztes nach der Regimentshütte am Fusse der Sattelspitzen. Das war ein Erlebnis, so nahe an den senkrecht abfallenden Felswänden zu stehen. Der lange Aufstieg hatte sich gelohnt, Seufzer waren vergessen. Zwischen weissen Steinen hellrot leuchtende Alpenrosen, welch herrliches Bild! Wie schön ist doch die Natur, Alpwiesen breiteten sich wie bunte Blumenteppiche aus. Beim Abstieg gings oft lustig zu. Einige hatten im Morast etliche Mühe, Fuss zu fassen, gelang es nicht und waren sie schmutzig wie, eben wie für unsre Versorgung wichtige Haustiere, versuchten sie (nicht die Tiere) einander noch zu überbieten durch gegenseitige „Kriegsbemalung“. Als heranwachsende Damen schonten sie das Gesicht, um die Haut zu schonen. Am Mittwoch versuchten wir den ersten Muskelkater zu kurieren. Führerinnen sollen zu dem Zweck Frühturnen veranstaltet haben, als es noch niemand hätte sehen sollen!

Am folgenden Morgen brachen wir zeitig auf und wanderten nach oben. Die von Muskelkater und andern unbestimmbaren Katern Geplagten liessen die Marschtüchtigen bald zurück. Ursprüngliches Ziel war eine Alp, wirkliches: der Schwarzsee. Wie das spritzte, als wir ein Fussbad nahmen in Ermangelung eines Besseren. Wenn auch etwas mehr nass wurde, was schadete es! Durch den Sessellift liessen wir uns auf den Riggisberg sesseln. Dabei wurden wir nicht müde, immer wieder zurückzuschauen auf das uns ganz allmählich entrückende Tal. Götterspeise bildete für uns „Gluschtmäuler“ einen würdigen Tagesabschluss.

Mit frohem Gezwitscher
Spatz

Hornussengesellschaft Hintermoos-Reiden, 1918

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Die Hornusser Hintermoos-Reiden feiern am 2. September ihr 100-jähriges Bestehen. Die Hornussergesellschaft wurde 1918 von einigen wagemutigen Einzelkämpfern gegründet und wurde sogleich Mitglied des 1902 gegründeten Eidgenössischen Hornusserverbandes. Die Gründungsmitglieder der Hornusser-Gesellschaft Hintermoos (von links): Leiser Niklaus, Schär Otto, Burkhalter Hans, Maurer Godi, Lämmli Hans, Müller Jakob, Maurer Hans, Grädel Ernst. – Das Bild wurde zur Vefügung gestellt von Hermann Keist, Reiden.

Im WB vom 29. August 1968

Niemals vergessen!

Eindrückliche Demonstration für die Tschechoslowakei in Willisau

Mit Zorn und aufrichtiger Empörung verfolgt das Schweizervolk, wie die Tschechoslowakei zum zweiten Male innerhalb einer Generation das Opfer einer brutalen und hinterhältigen Aggression wurde. In den grösseren Schweizer Städten und Ortschaften demonstriert man in Kundgebungen und Schweigemärschen gegen das unrechtmässige Vorgehen der Sowjetunion und seiner Satelliten. Besonders in der freiheitliebenden Landbevölkerung ist man über die Vorfälle in der Tschechoslowakei zutiefst beunruhigt. So erachteten es die Behörden von Willisau-Stadt und -Land und die Parteileitungen des Amtes Willisau als angebracht, zu einer grossen Kundgebung auf letzten Dienstagabend in Willisau aufzurufen. Dem Aufrufe folgte eine grosse Schar verantwortungsvoller Bürger und Bürgerinnen aus Stadt und Land, vorab eine begeisterungsfähige Jungmannschaft, die die Kundgebung einmal mehr für sich in Anspruch nahm, was ihnen ein gutes Zeugnis ausstellte.

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Eine grosse Schar füllte den Kirchplatz und quittierte die beiden Ansprachen mit grossem Applaus. Foto Schaller Willisau

Vorgängig der Kundgebung versammelte sich viel gläubiges Volk, vor allem die Jugend in der Pfarrkirche, um in schlichter, aber eindrücklicher Art für die geknechteten Mitbrüder und Mitschwestern in der Tschechoslowakei zu beten und zu bitten. Mögen diese Bitten mithelfen, das Brudervolk in seinem Kampfe für Recht und Freiheit zu stärken. Die Blocken beider Kirchen läuteten dann gemeinsam die nun folgende Kundgebung auf dem Kirchplatz ein, wozu sich eine grosse Zahl Mitbürger und Mitbürgerinnen, vor allem Jugendliche beiderlei Geschlechtes eingefunden hatte.

Die Kulisse war erleuchtet von lodernden Fakeln und Fähnchen flatterten im Abendwind. Transparente verkündeten: „Niemals vergessen“, „Es lebe Dubcek, Svoboda“, „Russen raus“. Aber auch Biafra mahnte uns.

Schulvorsteher Pius Schwyzer hiess im Namen der Organisatoren die zahlreich Erschienenen willkommen, besonders die grosse Schar Jugendliche und dankte den Referenten und den Organisatoren der Kundgebung. Als Redner nahmen die Herren Grossräte Erwin Muff, Stadtammann, Willisau und Dr. Josef Seger, Amtstatthalter, Ettiswil, zu den Ereignissen in der Tschechei vehement Stellung. Ihre Äusserungen seien hier in einigen Gedanken aufgezeichnet.

Stadtammann Erwin Muff: Ein Grundwelle von Protesten ist in sämtlichen westlichen Ländern ausgelöst worden. In diese Proteste mischt sich die Erbitterung der Ohnmacht. Dreimal in 12 Jahren, 1956 in Ungarn, 1961 in Berlin und 1968 in Prag ist die Welt durch die Brutalität der sowjetischen Politik erschüttert worden. Einmal mehr wurden wir von der verwerflichen Gesinnung der Russen enttäuscht, aber auch vom niederträchtigen Handeln eines Kadars. Die Ereignisse haben für uns die Tragik, dass wir wieder einmal vom Gewissen aufgerüttelt werden, dass unsere Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, Bei Kundgebungen dürfen wir es aber nicht bewenden lassen. Viel wichtiger ist, aus den Vorfällen die Lehren zu ziehen. Schon morgen werden die Menschen wieder Masken anziehen, um uns zu täuschen und uns ein friedliebender Osten vorzutäuschen. Eine der wesentlichsten Folgerungen, die wir aus den Geschehnissen ziehen müssen, ist, dass der sowjetische Kommunismus jede Glaubwürdigkeit als Vertrauenspartner verloren hat. Bleiben wir stets wachsam und wehrbereit. Dem tschechischen Volk und seiner Jugend gilt unsere ganze Sympathie. Helfen wir mit in moralischer und materieller Hinsicht da zu helfen, wo es die Not erfordert. Das ist das Einzige, was wir in diesen schweren Stunden tun können und tun müssen.

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Die Transparente sprechen für sich selbst. Foto Schaller Willisau

Amtstatthalter Dr. Josef Steger: Wir haben uns auf diesem Platze versammelt, um mit aufrichtiger Anteilnahme in würdigem Rahmen, aber in bestimmter Haltung dem schwergeprüften tschechischen Volk unsere Sympathie zu bekunden. Das Tschechenvolk soll wissen, dass wir Gewaltakte zutiefst verabscheuen. Wir sind aber auch zusammengekommen, um das Gewaltverbrechen, das dem tschechoslowakischen Volk zugefügt wurde, energisch zu verurteilen. Wer kann hier schweigen bei der Missachtung der selbstverständlichen Menschenrechte in der Tschechei, beim Gedanken an die Taten des Hitlertums und dem Überfall auf Ungarn. Auch eine Grossmacht soll sich nicht täuschen, dass solche Untaten ungestraft bleiben. Wir sind überzeugt, dass man sich in Russland vor allem an der Haltung der Jugend getäuscht hat. Die Diszipliniertheit des tschechischen Volkes und besonders der Jugend ist bewunderungswürdig. Panzer und Maschinengewehre konnte die Bevölkerung nicht erschüttern. Die Vorfälle in der Tschechei haben uns gezeigt, dass auch heute noch absoluter Verlass auf der Jugend ist, dass sie von hohen Idealen erfüllt und ihre Aufgaben kennt, wenn es ernst gilt. Wenn wir auch ohnmächtig den Dingen gegenüberstehen, so können wir doch durch unsere klare, eindeutige Haltung jenen Völkern den Mut geben, im Kampfe für die Freiheit auszuharren. Das kleine Volk in der Tschechoslowakei bringt uns den Beweis, dass es auch einem kleinen Volk noch möglich ist, einem grossen Aggressor entschieden entgegenzutreten. Sind wir ob unserer politischen Gleichgültigkeit nicht auch mitverantwortlich? Die langsam zu Ende lodernden Fackeln auf dem Platze sollen als Feuer in unseren Herzen weiterbrennen mit dem Versprechen: Niemals vergessen!

Die beiden Ansprachen waren erfüllt von tiefer und aufrichtiger Besorgnis über die Vorgänge im Osten und liessen in der Stellung an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Mehrmals wurden sprechende Voten spontan mit Applaus unterbrochen. Am Schlusse der sehr eindrücklichen Kundgebung erschollen lautstarke Sprechchöre. Die Kundgebung lste sich dann in grosser Disziplin auf.